Die Deutsche Botschaft im Wandel der Zeit

„Was ist denn eigentlich mit der Deutschen Botschaft los? Sind Sie übersiedelt?“ wird man in letzter Zeit oft gefragt. Über den bevorstehenden Abriss des Botschaftsgebäudes in der Metternichgasse, die Hintergründe für die Entscheidung und den geplanten Neubau möchten wir Sie gerne auf dem Laufenden halten.

Das 5.262 m² große Grundstück der deutschen Botschaft in Wien, das im Diplomatenviertel des 3. Bezirks liegt, diente schon von 1877 bis 1938 als so genannte kaiserliche Gesandtschaft der Diplomatie. Von 1938 bis 1945 war das Gebäude ein Offiziersheim der Wehrmacht. Im zweiten Weltkrieg wurde es stark beschädigt. Nach dem Krieg stand das Grundstück dann bis 1955 unter britischer Verwaltung, bevor im Oktober 1962 mit dem Neubau der deutschen Botschaft begonnen wurde.

Der Architekt war Rolf Gutbrod, einer der erfolgreichsten deutschen Nachkriegsarchitekten. Sein Ziel war es, einen Bruch mit der NS-Zeit herbeizuführen und eine Botschaft zu gestalten, die die junge Republik demokratisch, aufgeklärt und humanistisch nach außen repräsentieren sollte.

Die praktischen Anforderungen der Botschaft und der Residenz haben sich im Vergleich zu den 60er-Jahren allerdings elementar verändert: Sicherheitsmaßnahmen, Barrierefreiheit, mehr Publikumsverkehr und der Zuwachs durch die OSZE trugen dazu bei, dass man sich schweren Herzens für den Abriss entschied. Auch weil die Überlegungen zur Generalsanierung sich als unwirtschaftlich herausgestellt hatten.

Besonders schwer fiel die Entscheidung auch wegen der Überlegungen zum Denkmalschutz. Da es in Deutschland aber noch diverse Gutbrod-Bauten gibt, stuften die österreichischen Behörden das Gebäude nicht als denkmalwürdig ein.

Der Gutbrod-Bau weicht nun einem funktionaleren und wirtschaftlicheren Neubau, der mehr den Nutzungschwerpunkten der bilateralen und der OSZE Vertretung inklusive ihrer Beschäftigten entspricht. Auch die Besucherbedürfnisse sind berücksichtigt.

Den Entwurf für den Neubau gestaltete das Leipziger Architektenbüro Schulz & Schulz, das den Wettbewerb um das neue Botschaftsgebäude gewann.

Das neue Gebäude soll ein integriertes architektonisches Element der Stadt Wien werden, Transparenz und Offenheit vermitteln und für ein modernes Deutschland stehen. Mit einer Nutzfläche von 3.400 m² wird genug Platz für die bilaterale Botschaft und die OSZE-Vertretung geschaffen.

Baubeauftragte ist die Deutsche Botschaft – in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Wien und ihren zuständigen Behörden dürfte dem erste Spatenstich bald nichts mehr im Wege stehen!