„Die Sehnsucht ist geblieben“

Älter geworden sind die Figuren in Judith Hermanns Geschichten. Viele Dinge, die sie sich vor 20 Jahren wünschten, haben sie erreicht: Häuser, Kinder, Gärten, Ehen. Die vielleicht schon wieder geschieden sind.

Geblieben ist die immer währende Sehnsucht. Wahrscheinlich ist das gut so. Denn die innere Unruhe gehört zum Leben dazu. Das spürten die Zuhörenden in der Residenz des deutschen Botschafters am Abend des 16. März - in den Kurzgeschichten Herrmanns und im Gespräch der Autorin mit Katja Gasser, Kulturchefin des ORF.

Ist Literatur ein Ort der Sehnsucht? fragte Gasser. Auch im neuen Erzählband „Lettipark“ der Berliner Autorin? Nichts im Leben bleibt, antwortete Hermann. Das sei schrecklich und schön zugleich – und ihr Motor fürs Schreiben. Alle Figuren in den Geschichten Herrmanns schaffen es, die Poesie in ihren Alltag zu holen. Finden Trost in den kleinen Dingen des Lebens. Vielleicht können sie damit auch einen Teil ihrer Sehnsucht stillen?

Eine abschließende Antwort darauf konnte nicht gefunden werden. Gibt es wahrscheinlich auch nicht. Was das Publikum nicht störte. Die Zuhörenden konnten die Antwort in den vorgelesenen Geschichten „Lettipark“, die dem Erzählband den Namen gab, und  „Pappelpollen“ zumindest ahnen.