Zwei Spitzbuben im Leopold Museum

„Köstlich! Köstlich?‘“ Das ist der Titel der neuen Ausstellung im Leopold Museum in Wien. Die Werke des deutschen Malers Carl Spitzweg und des österreichischen Bildhauers Erwin Wurm treten miteinander in ironischen Dialog. Unbedingt sehenswert!

Auch der deutsche Botschafter, Johannes Haindl, war bei der Ausstellungseröffnung am 24. März dabei. Er nannte die humorvollen Idyllen und liebevollen Schilderungen kauziger Sonderlinge auf den Spitzweg-Bildern eher eine Beschwörung der heilen Welt als deren Abbildung. Und damit das Gegenteil von kitschig, was ihnen gern vorgeworfen werde.

Die biedermeierliche Beschaulichkeit des Carl Spitzweg halte ahnungsvoll fest, was durch den Fortschritt verloren gehe. Deshalb seien seine Bilder  nicht nur Chronik, sondern auch Verlustanzeigen. Sie seien deshalb das Gegenteil von harmlos, sagte Haindl.

Harmlos sei sicherlich auch kein Begriff, den man mit Erwin Wurm in Verbindung brächte, sagte Haindl weiter. Im Gegenteil: Seine Skulpturen seien subversiv.

Scheinbar bleiben sie ganz nah an der Abbildung der Realität, aber durch eine oft kaum merkliche Verfremdung kippen sie diese Realität aus ihrem bisherigen Sinnzusammenhang in ein neues System. Dessen ursprünglicher Sinn verschwindet. Aber was bleibt? Zum Beispiel die als Selbstporträt firmierenden Essiggurken. Sie sind gerade eines nicht: nämlich Essiggurken. Sie schauen nur noch so aus. Sie sind aber auch kein Selbstporträt. Was sind sie also dann?

Erwin Wurms ironische Verfremdungsarbeit legt nahe, dass der Fortschritt, vor dem Carl Spitzweg sich scheinbar noch abwandte, die Menschen inzwischen nicht nur eingeholt, sondern vielleicht sogar überholt hat. Und sie in ihrem Leben etwas verloren zurücklässt.

Der Dialog dieser beiden Künstler ist hochinteressant und regt zum Nachdenken an. Die Ausstellung, bestehend aus rund 100 Werken, ist bis zum 19. Juni zu sehen.